Rechtsverteidiger gesucht! (Teil I)

Rechtsverteidiger gesucht

Nach eingehender Analyse des Kaders, den Leistungen der Vorsaison und den bereits getätigten Transferaktivitäten von RB Leipzig, kristallisiert sich die Rechtsverteidigerposition als jene heraus, die womöglich noch nicht auf die gewünschte Weise, d.h. noch nicht doppelt mit qualitativ ebenbürtigen Alternativen besetzt ist. Obwohl nominell mit Lukas Klostermann, Bernardo und Benno Schmitz drei – zählt man Ilsanker und Demme mit, sogar fünf – ordentliche Optionen für diese Position zur Verfügung stehen, darf zumindest hinter jede dieser Besetzungsvarianten ein kleines Fragezeichen gestellt werden.

Lukas Klostermann muss sich nach seiner Kreuzbandverletzung und langer Reha zunächst wieder an die erste Elf heran tasten, sich an Tempo, Spielhärte und Abläufe gewöhnen. Gewiss, vom Potenzial her dürfte er sich problemlos in der Bundesliga (und auf internationaler Bühne) behaupten können, aber ob er dieses Potenzial sogleich wieder auf den Rasen bringen kann bzw. von Folgeverletzungen verschont bleibt, das wird erst die Zeit zeigen.

Bernardo hat seinen Job als Aushilfe auf der rechten Abwehrseite zumeist sehr ordentlich erledigt, wenngleich auch nicht mehr. Ihm ist deutlich anzumerken, dass er sich links oder im Zentrum wohler fühlt. Vor allem in der Offensiv kann er seine Stärken auf der rechten Außenbahn zu selten einbringen, muss sich den Ball oft erst auf den linke Fuß legen und wirkt dort längst nicht so elegant, wie er es etwa im defensiven Mittelfeld andeutet.

Benno Schmitz ist ein verlässlicher Back-Up, dürfte über diese Rolle aber auch nicht hinaus kommen und erscheint von den drei genannten in seiner Entwicklungsfähigkeit am stärksten limitiert. Demme und Ilsanker können rechts aushelfen, werden aber – gerade in Anbetracht der anstehenden Dreifachbelastung – sicherlich an anderer Stelle gebraucht.

Unter diesen Vorzeichen würde es also zumindest nicht schaden, den Markt auf der Rechtsverteidigerposition zu beobachten und ggf. noch einmal aktiv zu werden. Sei es, um ein hochveranlagtes Talent zunächst als Back-Up aufzubauen oder um gleich einen potenziellen Leistungsträger an Bord zu holen. Beide Möglichkeiten  erscheinen mir gangbare Wege, bei denen jedoch Handlungsschnelligkeit gefordert ist. Traditionell ist der Markt an talentierten, aber bezahlbaren Außenverteidigern eher dünn besiedelt und die Konkurrenz schläft freilich nicht. Aus diesem Grund möchte ich in Folge eine Handvoll Rechtsverteidiger vorstellen, die von ihrer Spielweise, Persönlichkeit und nicht zuletzt ihrem Entwicklungspotenzial her zur Philosophie von RB Leipzig passen würden und gegenwärtig noch zu vernünftigen Konditionen zu bekommen wären.

Mitchell Weiser

Aktueller Klub:

Hertha BSC Geburtstag (Alter): 21.04.1994 (23)

Vertrag bis:

30.06.2020 Größe: 1,76 m
Marktwert: 14,00 Mio. € Nationalität:

Deutschland

Einsätze 16/17: 21 (4 Tore/6 Assists) Länderspiele:

41x U16-U21

Alles andere als ein Geheimtipp: Nach seinem unglücklichen Intermezzo beim FC Bayern hat sich Weiser bei der Hertha nicht nur einen Stammplatz erkämpft, sondern sich kontinuierlich zu einem der besten deutschen Außenverteidiger entwickelt. Als gelernter Rechtsaußen liegen seine Stärken vor allem in der Bewegung nach vorn. Unermüdlich hinterläuft er seine Mitspieler, wagt Vorstöße, Dribblings und sorgt durch präzise Hereingaben immer wieder für Gefahr im gegnerischen Sechzehner. Zudem verfügt er über eine gute Schusstechnik und kann auch selbst Angriffe abschließen. Das entscheidende Tor zum deutschen Finalsieg bei der U21-Europameisterschaft erzielte er gar mit dem Kopf.  

Sein Defensivverhalten hat sich ebenfalls stark verbessert, auch wenn er diesbezüglich weiterhin Luft nach oben besitzt. Aufgrund seiner Polyvalenz am rechten Flügel könnte er aber eine interessante Option darstellen, falls Lukas Klostermann wieder als Rechtsverteidiger in die Stammformation drängen sollte. Dann könnte Weiser eine formidable Alternative im rechten offensiven Mittelfeld darstellen.

Weiser wäre auf kurz oder lang sicherlich eine 1A-Lösung für die rechte Defensivseite, aber auch entsprechend kostspielig. Zudem hat er bereits verlauten lassen, auch die anstehende Saison bei Hertha BSC spielen zu wollen. Deswegen müsste man wohl einige Hebel/Millionen in Bewegung setzen, um ihn noch in diesem Sommer loseisen zu können. Oder sich kurzfristig nach einer anderen Lösung umsehen, von denen ich im Folgenden einige skizzieren möchte.

Giovanni Troupée

Aktueller Klub:

FC Utrecht Geburtstag (Alter): 20.03.1998 (19)

Vertrag bis:

30.06.2021 Größe: 1,81 m
Marktwert: 5,00 Mio. € Nationalität:

Niederlande

Einsätze 16/17: 35 (4 Tore/4 Assists) Länderspiele:

15x U17-U19

Gilt als eines der größten Außenverteidiger-Talente Europas und kann mit seinen gerade mal 19 Jahren bereits auf einige Erstligaerfahrung in den Niederlanden zurückblicken. Troupée debütierte bereits mit 17 Jahren – als jüngster Spieler in der Historie des Klubs – für den FC Utrecht und steigerte sich seither kontinuierlich. In der letzten Spielzeit entwickelte er sich zum unangefochtenen Leistungsträger auf der rechten Abwehrseite, verpasste kaum ein Pflichtspiel und glänzte nicht nur mit beeindruckenden Leistungsdaten.

Troupée ist ein Außenverteidiger moderner, niederländischer Prägung: extrem dynamisch, ausdauernd und stark mit dem Ball am Fuß. Über 90 Minuten beackert er die rechte Seitenauslinie, hinterläuft gern seinen Mittelfeldpartner und verfügt über einen ausgeprägten Offensivdrang. Seine Flanken sind brandgefährlich und er scheut sich auch nicht, selbst den Torabschluss zu suchen.

In der Defensive besticht er durch hohe Beweglichkeit und Reaktionsstärke. Gegnerische Dribblings antizipiert er ordentlich und geht bisweilen aggressiv ins Tackling. Stellungsspiel und spieltaktische Konformität sind – wie bei den allermeisten Verteidigern in seinem Alter – noch ausbaufähig. Allerdings hinterlässt der junge Verteidiger einen verständigen, disziplinierten und ausgesprochen lernfähigen Eindruck, weswegen die Chancen gut stehen, dass er sein Potenzial auch ausschöpfen kann.

Troupée hat sich mit seiner letzten bärenstarken Saison bereits in die Notizblöcke vieler europäischer Spitzenteams gespielt. So sollen mit Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach bereits zwei Bundesligisten beim FC Utrecht vorgefühlt haben. Aber auch das Interesse von Celtic Glasgow, dem AFC Bournemouth und dem FC Middlesbrough gilt als verbürgt. Will man sich dieses Top-Talent sichern, bevor er den nächsten Karriereschritt wagt und deutlich kostspieliger werden dürfte, sollte man noch in diesem Sommer handeln.

Linus Wahlqvist

Aktueller Klub:

IFK Norrköping Geburtstag (Alter): 11.11.1996 (20)

Vertrag bis:

31.12.2018 Größe: 1,84 m
Marktwert: 2,50 Mio. € Nationalität:

Schweden

Einsätze 2017:

24 (1 Tor/4 Assists) Länderspiele:

5x A,  56x U16-U21

Linus Wahlqvist steht wie kaum ein anderer für eine unverbrauchte schwedische Fußballergeneration und bereits in den Startlöchern, um eine erfolgreiche Post-Ibrahimovic-Ära einzuläuten. Der Rechtsverteidiger, der seine fußballerische Ausbildung als Innenverteidiger begann, durchlief sämtliche U-Nationalmannschaften seines Landes und hat es spätestens seit der abgelaufenen U21-EM in Polen auf den Radar der europäischen Eliteklubs geschafft. Auch für die A-Nationalmannschaft Schwedens debütierte er bereits im Januar 2016 und konnte seither fünf Einsätze verbuchen.

Der 20-Jährige überzeugt vor allem durch seine Defensivstärke und eine für sein Alter erstaunliche Abgeklärtheit im Zweikampf. Er antizipiert brenzlige Situationen hervorragend und weiß sie durch geschicktes Stellungsspiel oder resolute Tacklings zu bereinigen. Mit 1,84 Meter Körpergröße und der Robustheit eines gelernten Innenverteidigers weiß er sich auch gegen bullige Gegner und im Luftduell zu behaupten. Erstaunlich sind ferner seine Ruhe am Ball, seine Spielübersicht und seine herausragende Auffassungsgabe für Laufwege und Räume. Wahlqvist weiß sowohl seine Mitspieler mit präzisen Pässen und Lobs einzusetzen als auch selbst die Initiative zu ergreifen und einen Vorstoß zu wagen (was bereits zu spektakulären Toren geführt hat).

Wahlqvists spielt stets mit Köpfchen und verfügt über ein ausgezeichnetes taktisches Verständnis. Auf diese Weise kann er (zumindest in der schwedischen Liga) gewisse Defizite in seiner Endgeschwindigkeit und Beweglichkeit kompensieren. Seine Flanken sind überdurchschnittlich, ebenso wie seine Vowärtsbewegung mit Ball, auch wenn er gewiss kein Spielertyp für Wunderdribblings oder Kabinettstückchen ist. Vielmehr überzeugt er durch typisch skandinavische Coolness, kluges Decision-making und eine durch und durch professionelle Arbeitsauffassung – was ihn zu einem verheißungsvollen Versprechen für die Zukunft macht.

Kelvin Amian Adou

Aktueller Klub:

FC Toulouse Geburtstag (Alter): 08.02.1998 (19)

Vertrag bis:

30.06.2021 Größe: 1,80 m
Marktwert: 3,50 Mio. € Nationalität:

Frankreich

Einsätze 16/17: 24 (0 Tore/0 Assists) Länderspiele:

14x U17-U21

Der FC Toulouse hat sich in den letzten Jahren zu einer der aufregendsten Talentschmieden Europas gemausert. Vielversprechende Nachwuchsspieler wie Alban Lafont, Issa Diop oder Alexis Blin wecken bereits auf dem ganzen Kontinent Begehrlichkeiten – und der Strom an Hochveranlagten scheint nicht abzureißen. So schaffte es in der Saison 2016/17 auch ein gewisser Kelvin Amian in die Profimannschaft der Violetten. Der Rechtsverteidiger – Jahrgang 1998 – durchlief in Toulouse sämtliche Jugendmannschaften, ist taktisch hervorragend ausgebildet und konnte sich im Laufe seiner ersten Profisaison bereits einen Stammplatz im Team von Pascal Dupraz erkämpfen.

Amian bringt beste Veranlagungen mit, um sich im Spitzenfußball zu etablieren: Er ist schnell auf den Beinen und physisch robust, ohne aber an Beweglichkeit einzubüßen. Sein Kopf ist klar und seine Einstellung tadellos. Seine Stärken liegen aktuell vor allem im Defensivbereich. Der 19-Jährige überzeugt durch kompromissloses Zweikampfverhalten, Bissigkeit und Einsatzfreude. Seine konditionelle Verfassung erlaubt es ihm über die vollen 90 Minuten Vollgas zu geben. Verlässlich erfüllt er taktische Vorgaben und seine Spielweise darf als grundsolide bezeichnet werden, was für einen so jungen Spieler ein absolutes Qualitätsmerkmal darstellt. Nicht umsonst behauptet er sich bereits seit der U17 in Frankreichs mit Talent reich gesegneten U-Nationalmannschaften.

In der Offensive tritt er derweil noch zu selten in Erscheinung, konnte in 24 Pflichtspielen als Profi noch keine Torbeteiligung beisteuern. Hier besteht noch reichlich Luft nach oben. Gerade weil Amian technisch gut geschult ist, kann er sich mit dem Ball am Fuß noch deutlich mehr zutrauen. Ohnehin ist sein Impact auf dem Rasen noch vergleichsweise gering, um nicht zu sagen: unauffällig. Was für einen Außenverteidiger aber nicht zwangsläufig schlecht ist. Vielmehr handelt es sich bei Kelvin Amian um einen Rohdiamanten, der bereits jetzt auf höchstem Niveau mithalten kann und der – wenn richtig geschliffen – zu gewaltigen Leistungssprüngen imstande ist.

Vyacheslav Karavaev

Aktueller Klub:

Sparta Prag Geburtstag (Alter): 20.05.1995 (22)

Vertrag bis:

30.06.2020 Größe: 1,76 m
Marktwert: 3,50 Mio. € Nationalität:

Russland

Einsätze 16/17: 37 (4 Tore/10 Assists) Länderspiele:

57x U16-U21

Eines der, wenn nicht gar das prägende Gesicht der abgelaufenen Saison in der höchsten tschechischen Spielklasse war mit Vyacheslav Karavaev überraschenderweise ein Rechtsverteidiger. Der 22-jährige Russe stammt aus der Jugendakademie von ZSKA Moskau, verbrachte aber die meiste Zeit seiner jungen Profikarriere auf Leihbasis in Tschechien, da an Moskaus Stamm-Verteidiger Mario Fernandes mittelfristig kein Weg vorbei führen sollte. Bei seinen Gastspielen bei Jablonec und Dukla Prag überzeugte der talentierte Rechtsfuß auf ganzer Linie, sodass der tschechische Spitzenklub Sparta Prag letzten Sommer Nägel mit Köpfen machte und Karavaev fest verpflichtete. Eine Investition, die sich mehr als amortisieren sollte.

Karavaev bestritt nahezu jedes Spiel für Sparta und verbreitete sowohl bei den Flügelstürmern als auch den Linksverteidigern der Liga Angst und Schrecken. Defensiv dank seiner unheimlichen Physis kaum zu überwinden, setzte er außerdem immer wieder offensive Nadelstiche. Dafür benötigt er selten filigrane Dribblings, sondern vertraut bei seinen Läufen vielmehr seinem gewaltigen Antritt, unabhängig davon, ob er die Linie entlang marschiert oder den direkten Weg nach innen sucht. Seine Hereingaben sind stets scharf getreten und finden nicht selten einen Zielspieler. Auch sein eigener Torabschluss – mit rechts wie mit links – kann sich sehen lassen. Vier eigene Treffer und zehn (!) Assists als Rechtsverteidiger sprechen eine deutliche Sprache. Nicht umsonst steht nun bereits auf dem Sprung in eine stärkere Liga.

Will man ihm überhaupt eine Schwäche anlasten, dann vielleicht seine etwas ungestüme Spielweise. In mancher Situation könnte er noch mehr Köpfchen walten lassen, anstatt direkt in die Bresche zu springen. Abgesehen davon wäre der vielfache russische U-Nationalspieler schon jetzt eine absolute Bereicherung für viele ambitionierte Mannschaften in Europas Top-5-Ligen.

Achraf Hakimi

Aktueller Klub:

Real Madrid (B) Geburtstag (Alter): 04.11.1998 (18)

Vertrag bis:

30.06.2018 Größe: 1,76 m
Marktwert: 2,50 Mio. € Nationalität:

Marokko

Einsätze 16/17: 34 (2 Tore/10 Assists)

Länderspiele:

1x A, 4x U20-U23

Marokkos bester Nachwuchsspieler 2016 stammt aus dem Nachwuchs von Real Madrid, wo er seit seinem zehnten Lebensjahr sämtliche Jugendmannschaften erfolgreich durchlaufen hat. Ursprünglich als offensiver Flügelspieler eingesetzt, wurde er bei Reals Zweitvertretung R.M. Castilla mittlerweile zum rechten Außenverteidiger umgeschult, einer Position, auf der ihm bereits eine große Zukunft prognostiziert wird. Sogar Real-Trainer Zinedine Zidane gilt als großer Fürsprecher des jungen Marokkaners und berief ihn bereits im spanischen Pokal und bei Freundschaftsspielen in den Star-gespickten Kader der Königlichen.

Hakimi vereint in sich die für den nordafrikanischen Fußball so typischen Attitüden (großer Spielwitz, enormer Offensivdrang, Hang zum Spektakel), aber auch eine vorzügliche taktische Ausbildung und die traditionell-iberische Ruhe am Ball. Er beschleunigt rasant, besticht durch Wendigkeit und virtuose Ballkontrolle. Oft gelingt es ihm in 1-gegen-1-Situationen am Flügel durchzubrechen oder Räume für Mitspieler zu öffnen. Auch sein eigener Torabschluss ist nicht von schlechten Eltern – in den Jugendmannschaften von Real war er stets einer Top-Scorer.

Auch an seine Defensivaufgaben hat sich der 18-Jährige zügig gewöhnt, erfüllt diese zuverlässig, ohne jedoch allerletzte Wadenbeißer-Qualitäten zu offenbaren. Hier und in Sachen Stellungsspiel im Defensivverbund besteht bei Hakimi noch Nachholbedarf. Ansonsten ist er für sein Alter bereits erstaunlich weit, was ihm auch schon einen Einsatz im A-Nationalteam Marokkos einbrachte. Wie bei Real Madrid  mit Talenten üblich, dürfte auch ihm zunächst eine ein- oder zweijährige Leihe bevorstehen, bis er sich im Starensemble einreihen darf. Das könnte man sich zu Nutze machen oder sogar eine feste Verpflichtung mit Rückkaufoption aushandeln (ähnlich wie Leverkusen seiner Zeit bei Dani Carvajal – der Erfolg dieses Schachzugs spricht für sich).

 

Sechs weitere Talente für die vakante Rechtsverteidigerposition bei RB Leipzig stelle ich euch im zweiten Teil meines Scoutingberichts vor: Hier entlang, bitte!

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