RB Leipzig – FIFA 17

von 23. September 2016RB Leipzig
RB Leipzig FIFA Ultimate Team

Der 29. September rückt unaufhörlich näher und damit auch das Release von EA Sports alljährlichem – nennen wir es mal milde – Kaderupdate, also known as FIFA 17. Nachdem die PR-Abteilung des Spieleherstellers den ebenso alljährlichen Hype routiniert befeuert und die Meute peu à peu mit Ingame-Werte der absoluten Topspieler angefüttert hat, sind vor einigen Tagen nun auch die Stats aller anderen Spieler publik geworden. Darunter natürlich auch die der Roten Bullen aus Leipzig, die sich erstmals als Bundesligist auf der großen E-Sport-Bühne präsentieren dürfen. Dementsprechend haben auch die Fähigkeiten der meisten Kicker vom Aufstieg profitiert, wodurch sie auch in FIFA Ultimate Team, dem beliebtesten Online-Modus der Serie, für eifrige Kaderbastler an Relevanz gewinnen. Wer mit welchen Werten bedacht wurde, wer hervorsticht/abfällt oder für das eigene Bankkonto womöglich ganz schön teuer werden dürfte, schauen wir uns im Folgenden mal genauer an, gestaffelt nach der FUT-Einstufung der Spieler in Bronze, Silber und Gold.

Bronze-Spieler

(Spielerstärke bis max. 64)

Bernardo (Gesamtstärke 60), Ken Gipson (60), Federico Palacios Martinez (60), John-Patrick Strauß (59), Gino Fechner (58), Vitaly Janelt (57), Idrissa Touré (56), Sören Reddemann (55)

Und wir beginnen gleich mit einem handfesten Eklat, der aus dieser Liste unangenehm ins Auge springt: Neuzugang Bernardo, der sich nach der Verletzung von Lukas Klostermann gerade zum Stammspieler auf der rechten Verteidigerposition aufschwingt, wird nur mit mageren 60 Pünktchen bedacht. Damit gibt er zwar einen grundsoliden Innenverteidiger für ein Bronze-Team ab, aber eben auch nicht mehr – und dass, obwohl er sich bereits bei RB Salzburg erste Meriten verdienen konnte. An seinem Exempel wird mal wieder deutlich, warum die allzu frühe Wertevergabe, die EA jedes Jahr praktiziert, ein absoluter Schuss in den Ofen ist. Schade jedenfalls für alle, die Bernardo gern als ernstzunehmende Alternative zu Compper und Co. aufbauen wollten. Mit einem Tempo von 64 und einer Physis von 67 dürfte er es gegen die Lukakus dieser Welt eher schwer haben.

Abgesehen davon sind die restlichen Werte der Kategorie Bronze ganz ordentlich getroffen, wenngleich Palacios Martinez sein Beisein in diesem erlauchten Kreise wohl eher den Datenbanken der letzten Jahre verdankt, aus denen er ohne große Mehraufwände übernommen werden konnte. Interessant ist zudem die Tatsache, dass Gino Fechner oder John-Patrick Strauß in ihrer Gesamtstärke über den Herren Janelt und Touré angesiedelt sind, die immerhin Profiverträge vorweisen können und dem Bundesligakader angehören. Ken Gipson gibt mit seinen 76 Pace und 60 in der Defensive zudem einen ganz brauchbaren Rechtsverteidiger für eine deutsche Bronze-Elf ab. Ansonsten muss an dieser Stelle wohl mal wieder konstatiert werden, dass sich keiner dieser Jungs allzu großer Beliebtheit unter den FUT-Fanatikern erfreuen dürfte – Bedeutungslosigkeit vorprogrammiert.

Silber-Spieler

(Spielerstärke bis max. 74)

Marcel Sabitzer (74), Willi Orban (74), Yussuf Poulsen (73), Marvin Compper (73), Marcel Halstenberg (73), Dominik Kaiser (73), Davie Selke (73), Lukas Klostermann (72), Diego Demme (72), Stefan Ilsanker (71), Rani Khedira (69), Oliver Burke (68), Benno Schmitz (68), Zsolt Kalmar (67), Terrence Boyd (67)

Die Mehrheit des Leipziger Spielerpools tummelt sich, wie es sich für einen Bundesligaaufsteiger ziemt, im Mittelfeld des Stärkeportfolios und darf sich über seidig glänzende Silberkärtchen freuen (oder ärgern, je nachdem). Werfen wir hier aber zunächst einen Blick auf die Änderungen zum Vorjahr. Nachdem mit Nukan und Bruno zwei der (zumindest in FIFA 16) stärksten Bullen die Segel streichen mussten, dürfen nun andere in die Bresche springen. So freut sich Lukas Klostermann über ein sattes Upgrade von sechs Stärkepunkten (66 > 72), dicht gefolgt von Diego Demme und Marcel Halstenberg (+5). Unter den Gewinnern befinden sich ferner Kapitän Dominik Kaiser (+4) und Abwehrrecke Marvin Compper (+3). Eine Abwertung hat hingegen kein Leipziger erfahren, wenngleich zumindest fraglich ist, womit Khedira oder Kalmar ihre Bonuspunkte rechtfertigen konnten.

Kommen wir zu den hervorstechenden Erscheinungen unter den versilberten Bullen. Hier ist zuvorderst Yussuf Poulsen zu erwähnen, der mit Tempo 88 (!), Dribbling 74 und Physis 77 (!) aufwarten kann. Das sind für einen Akteur mit Gesamtstärke 73 exorbitante Werte und wird in dieser Kombination dazu führen, dass der Däne sehr kostspielig werden dürfte. Zusammen mit Sturmkollege Selke, der ebenfalls mit ordentlicher Physis ausgestattet wurde, könnte sich hier eine potenzielle Nemesis auf Silber-Niveau zusammen brauen. Ebenfalls bemerkenswert sind die Werte von Lukas Klostermann. Der Olympionik wird seinem Toptalent-Status auch in FIFA 17 gerecht und glänzt mit hohem Speed (88) und erstaunlich ausgewogenen Defensiv- und Kreativwerten für einen 20-Jährigen. Besonders für den Karrieremodus ist Klostermann somit ein hervorragender Call. Daneben fallen noch Willi Orban (Defensive und Physis) und Marcel Sabitzer (Tempo und ausbalanciertes Overall) positiv auf und können wertvolle Säulen für die eigene kleine RB-Franchise abgeben.

Weniger Glück bei der Wertelotterie hatten da hingegen Diego Demme und Stefan Ilsanker. Leipzigs Doppelsechs und zu Saisonbeginn das unangefochtene Herzstück im Mittelfeld wird mal wieder Opfer der FIFA-Arithmetik, die insbesondere auffällige, offensivstarke Spieler bevorzugt. Demmes Ausdauerwert ist zwar angemessen hoch, der Rest entspricht aber noch nicht seinem derzeitigen, beachtlich hohen Level. Noch schlimmer dran ist sein Nebenmann Ilsanker, der mit Tempo 48 und Passen 55 versehen wurde und somit nur in ein Ultimate Team finden dürfte, wenn er irgendwo vom Laster fällt. Wenn überhaupt. Völlig unverständlich ist darüber hinaus die Einstufung von Oliver Burke. Klar, der Bursche ist erst 19 und kommt aus der zweiten englischen Liga. Wenn man aber sieht, wie durchschnittliche Premier League-Talente bewertet werden, hätte es für Burke durchaus ein paar Pünktchen mehr regnen können. So ist er mit 88 Tempoeinheiten zwar ganz schön geschwind, aber sein hervorragender Torabschluss wurde scheinbar gänzlich übergangen. Für ihn reicht es in FIFA 17 erst mal nur zum Perspektivspieler.

Außerdem bedauernswert: Dominik Kaiser wurde dummerweise als RM eingepflegt. Mit seinen überschaubaren Tempo- und Physiswerten ist er dort aber entschieden Fehl am Platz. Vielmehr hätte ich mir ihn (wie auch auf dem echten Rasen) als zentralen Mittelfeldspieler gewünscht, um eine spielstarke Alternative zu Demme/Ilsanker parat zu haben, ohne die Team-Chemie zu zerstören.

Gold-Spieler

(Spielerstärke ab 75)

Kyriakos Papadopoulos (79), Emil Forsberg (76), Naby Keita (75), Timo Werner (75)

Fehlt also nur noch die Crème de la crème der Leipziger FIFA-Gang – zumindest wenn man den Entwicklern von EA Sports Glauben schenken möchte. Nur vier Spieler haben es in den elitären Kreis der Goldkärtchen geschafft. Damit aber immerhin vier mehr als in der letzten Ausgabe dieses spätsommerlichen Frustfaktors. Dass Emil Forsberg dort auftaucht, verwundert nicht. Zu eindrücklich waren seine Leistungen in der letzten Saison als auch im schwedischen Nationaldress. Für einen linken Mittelfeldspieler verfügt er zwar nicht über die mächtigste Höchstgeschwindigkeit (72), aber ansonsten über sehr ausgeglichene Werte auf hohem Niveau, prima Workrates und ein bestechendes Dribbling. Zudem ist er nach seinem Gala-Auftritt gegen den HSV auch der erste Leipziger, der sich über eine In-Form-Variante freuen darf, und zwar gleich mit einer Gesamtstärke von 82. Überraschender ist da schon die Einschätzung von Sommereinkauf Papadopoulos. Der Grieche wird noch immer mit einer heftigen 79 bedacht, obwohl er seit Jahren keine Kontinuität auf dem Spielfeld nachweisen kann. Sein Talent mag ja unbestritten sein, aber 84 Physis bei einem Spieler, der kaum zwei Spiele am Stück ohne Blessur bestreitet? Hier wäre eine dezente Abwertung auf 76 oder 77 völlig in Ordnung gewesen.

Neu hingegen im Klub der Goldjungen sind die beiden Neuzugänge Timo Werner und Naby Keita. Beiden kommt offensichtlich zugute, dass sie sich schon auf höchstem Niveau als Stammspieler etablieren konnten, auch wenn ihre tatsächliche Spielstärke und ihr Impact auf dem Feld – vor allem in Relation zu anderen Kickern im Kader – etwas niedriger einzustufen ist. Aber sei’s drum. Keita haben die Entwickler als ZM eingepflegt und dafür ist er mit Tempo 80 und Ausdauer 91 sehr gut bestückt – der ideale Motor im Zentrum und reichlich Entwicklungspotenzial im Karrieremodus. Selbiges gilt für Timo Werner, der ja auch in der Bundesliga gegenwärtig groß auftrumpft. Sprintgeschwindigkeit und Beschleunigung liegen bei ihm jeweils über 90, zudem glänzt er mit starken Dribbling-Werten und einem passablen Abschluss. Gut möglich also, dass wir Werner in goldenen Low-Budget-Teams häufiger antreffen werden.

Aufstellung in FUT

Und so würde sie in FIFA Ultimate Team aussehen, die aktuelle Startelf (inkl. des armen Lukas Klostermann).

RB Leipzig FUT 4-2-2-2

Keine üble Mannschaft. Problematisch ist allerdings in FUT, dass es das bei RB praktizierte 4-2-2-2 nur in der Variante ohne Flügelspieler gibt. Forsberg und Kaiser (wie auch Oli Burke) unterminieren somit zwangsläufig die Team-Chemie. Die Mittelfeldzentrale ist zwar zweikampf- und laufstark, aber dafür ziemlich lahm und wenig berauschend am Ball. Das könnte online gegen die allseits (un)beliebten High-Speed-Teams eine echte Problemzone darstellen. Um diesen beiden Aspekten vorzubeugen, habe ich da schon mal was vorbereitet:

RB Leipzig FUT 4-1-2-1-2

Die gute, alte Mittelfeldraute im 4-1-2-1-2 erlaubt es, auch Leipzigs Flügelspieler positionsgetreu unterzubringen und außerdem noch Platz für Marcel Sabitzer (ZOM) zu schaffen. Naby Keita habe ich zudem in die Startelf rotiert, um für das (leider) nötige Tempo im Zentrum zu sorgen. So schaut das Team nicht nur spielbar, sondern auch nach Spielspaß aus. Ich werde dieser Truppe bestimmt mal eine Chance geben und sie gegen all die Möchtegern-Weltauswahlen und sweaty Pace-Teams ins Rennen schicken.

Wen werdet ihr aufstellen? Und seid ihr mit den Werten der Roten Bullen zufrieden? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
Die komplette Übersicht aller Werte findet ihr wie immer bei unseren verlässlichen Freunden von Futhead.

Autor Nico

Zehner per Geburtsrecht und Passmaschine mit der Endgeschwindigkeit eines Faultiers. Muss schreiben, um seine pathologischen Knie vergessen zu machen. Gilt als wandelnder Anachronismus und Connoisseur gepflegter Zeilen/Bälle.

Mehr Posts von Nico

Join the discussion 3 Kommentare

  • Carl sagt:

    Werner wurde auf Giga in die Liste „Stürmer Talente“ aufgenommen. Hier ist also der Spielerwert von 75 schon erstklassig: http://www.giga.de/spiele/fifa-17/specials/fifa-17-talente-mit-potential-die-besten-jungen-spieler/

    Ist euch zudem aufgefallen, dass die RBLer echt hässlich aussehen? http://www.lvz.de/Kultur/Fotostrecken-Kultur/Die-Flop-Fuenf-RB-Fussballer-in-FIFA-17#n19727931-p5

    Wie schlägt sich dein Team eigentlich so?

    Grüße Carl

    • Nico sagt:

      Nach einigen Dutzend Partien stelle ich fest: Die Jungs von RB rocken FIFA ziemlich.
      Hervorzuheben sind besonders Werner und Keita. Ersterer aufgrund seines irren Tempos und seiner Präzision. Letzterer besticht durch einen starken Antritt und eine sehr ordentliche Ballführung. Abgesehen von den beiden machen auch Sabitzer, Klostermann, Orban und auch Kaiser eine gute Figur. Dominik federt sein maues Tempo nämlich durch sehr brauchbare Balance- und Dribblingwerte ab.

      Alles in allem eine ziemlich konkurrenzfähige Truppe, gerade im Karriere-Modus.
      In Ultimate Team hingegen sollte man das Team noch punktuell verstärken, um die dünneren Stellen im Kader – also besonders Außenverteidigung und DM – zu kaschieren.

  • Carl sagt:

    Ob Hasenhüttl auch Fifa spielt und deine Einstellung teilt? Wenn RB in der Winterpause einen neuen Außenverteidiger oder ein DM kauft, werde ich mich an dich erinnern 😉

    Danke für deine Antwort!

Hinterlasse einen Kommentar