Einzelkritik RB Leipzig – 1. Spieltag

Von 30. August 2016Einzelkritik
Fußballschuhe auf Rasen

Der erste Spieltag der neuen Bundesligasaison ist Geschichte – und obendrein ein geschichtsträchtiger Tag für RB Leipzig. Nicht nur bestritten die Rasenballer ihr erstes Pflichtspiel in Deutschlands höchster Spielklasse, sondern erzielten in Person von Kapitän Dominik Kaiser auch ihren Premierentreffer. Den blendend eingestellten Hoffenheimern lieferte RB einen denkwürdigen Kampf, der am Ende mit dem ersten (und wohlverdienten!) Bundesliga-Pünktchen der Vereinsgeschichte honoriert wurde.

Natürlich wohnt dem Saisonauftakt stets ein besondere Spannung inne, denn der Sommer ist lang, so mancher Spieler wechselt die Trikotfarben und die Karten werden neu gemischt, sowohl was das Kräfteverhältnis in der Liga anbelangt als auch die interne Hackordnung im Team. Wem der Trainer an Spieltag eins das Vertrauen schenkt, darf gleichzeitig als Fingerzeig für die anstehende Hinrunde verstanden werden. Wer sich in den ersten Gefechten bewährt, kann sich bereits frühzeitig im Team festbeißen und seine Stammplatzambitionen untermauern. Wem im Team von Ralph Hasenhüttl das besonders gut gelungen ist – und wem weniger – erfahrt ihr in der folgenden Einzelkritik.

Startelf

Péter Gulácsi

Scheint den internen Konkurrenzkampf um die Nummer eins vorerst gewonnen zu haben und bewies mit drei starken Paraden zu Beginn des Spiels auch, warum. Als Leipzig zusehends das Zepter in die Hand nahm, blieb er weitgehend ungeprüft und konnte sich die ein oder andere Trinkpause gönnen. Beim Treffer von Rupp chancenlos, bei Uths 2:1 womöglich nicht ganz. Ein beherzteres Rauslaufen hätte hier Abhilfe schaffen können.
Note: 3,0

Benno Schmitz

Profitierte vom Klostermann-Ausfall und debütierte in der Bundesliga. Wusste dabei über weite Strecken zu gefallen: Ackerte viel auf der rechten Seite, hatte seine Gegenspieler stets im Griff und fiel durch gefährliche Hereingaben auf, so etwa zum erlösenden Ausgleich durch Sabitzer. Einziger Wermutstropfen: sein fataler Fehlpass im Vorlauf zum 2:1.
Note: 3,0

Willi Orban

Fiel im Gegensatz zu seinen Nebenmännern etwas ab. Hatte mit dem kantigen Wagner und dem quirligen Uth seine Probleme, sah früh die gelbe Karte wegen Foulspiels und musste danach mit besonderer Vorsicht walten. Unglücklich sein Abwehrversuch nach einer Ecke in die Mitte des Sechzehners, direkt vor die Füße von Rupp, der sich mit dem 1:0 bedankte. Noch reichlich Luft nach oben für die nächsten Partien.
Note: 4,5

Marvin Compper

Zunächst ein unauffälliger, aber grundsolider Auftritt des Routiniers. Hatte seine Gegenspieler stets im Griff, ließ sich aber in Halbzeit zwei zu diversen Fouls hinreißen und kann von Glück reden, dass er nicht vorzeitig mit Gelb-Rot in die Katakomben geschickt wurde. Dass er erkannte auch sein Trainer und nahm ihn in der 63. Minute vom Feld.
Note: 4,0

Marcel Halstenberg

Lieferte einen beherzten Auftritt ab und hielt seine Seite weitgehend dicht – abgesehen von der wilden Anfangsoffensive der Hoffenheimer, von der er etwas überrumpelt wirkte. Danach aber gewohnt engagiert in der Defensive wie auch im Spielaufbau. In Halbzeit eins mit einem schönen Durchbruch auf der linken Seite, der fast zum 1:0 geführt hätte. Danach etwas verhaltener in seinen Offensivbemühungen.
Note: 3,0

Stefan Ilsanker

Positionsgemäß mit allerlei Defensivaufgaben betraut und ohne allzu viel Glanz und Gloria, dafür aber stets präsent im Zweikampf, unermüdlich malochend und mit seltenen, aber wirksamen Vorstößen. So beispielsweise bei seiner guten Einschussgelegenheit im Fünfmeterraum, die Baumann glänzend vereitelte (73.)
Note: 3,5

Diego Demme

Wirbelte über den gesamten Platz und spulte insgesamt fast zwölf Kilometer ab – Bestwert! Zudem sehr energisch in den Zweikämpfen und zumindest bemüht im Spielaufbau, wenngleich ihm die Effizienz und Genauigkeit etwas abgingen. Fußballerisch muss er sich noch in Liga eins einfinden. Prima jedoch seine Hereingabe, die Kaiser zum postwendenden Ausgleich verwertete.
Note: 3,0

Dominik Kaiser

Verewigte sich mit seinem Treffer zum 1:1-Ausgleich in der Vereinschronik – und das auch völlig standesgemäß, nach drei gemeinsamen Aufstiegen und mit der Binde am Arm. Auch ungeachtet des Treffers ein ständiger Unruheherd. Zeigte großen Drang zum gegnerischen Tor und scheiterte nur unglücklich am glänzenden Baumann oder dem Aluminium. Wie gewohnt auch kämpferisch eine Bank und mit gefährlichen Standards.
Note: 2,0

Timo Werner

Ansprechendes Debüt im Bullen-Dress für den Neuzugang aus Stuttgart. Setzte sich in Halbzeit eins mehrfach gut in Szene und ließ seinen Gegenspielern mit blitzartigen Antritten das Nachsehen, wie z.B. bei seiner guten Torchance in der 42. Spielminute. In der zweiten Hälfte dann unauffälliger und ohne zwingende Aktionen. Dennoch eine Premiere, die Lust auf mehr macht.
Note: 3,5

Marcel Sabitzer

Kämpfte sich in die Partie und krönte sich am Ende zum Helden, der Leipzigs ersten Bundesliga-Punkt seit 22 Jahren sicherte. Harmonierte links hervorragend mit Halstenberg und bewies Lauf- und Spielfreude, auch wenn – über 89 Minuten betrachtet – noch zu wenig Zählbares dabei heraus sprang. Glücklicherweise behalten Fußballfloskeln manchmal recht, sodass Spiele tatsächlich 90 Minuten dauern und erst Schluss ist, wenn der Schiri pfeifft.
Note: 2,5

Yussuf Poulsen

Mit starkem Kopfball in der 30. Minute, den Baumann nur mit Mühe entschärfen konnte. Ansonsten oft in die Mangel genommen und eher unauffällig. Führte aber viele wichtige (und von allen Spielern die meisten) Zweikämpfe und band mit seiner Physis die Hoffenheimer Innenverteidiger.
Note: 3,5

Einwechslungen

Emil Forsberg

63. Minute, für Marvin Compper
Hat nach der EM noch Fitnessrückstand und musste zunächst mit der Bank Vorlieb nehmen. Auch nach der Einwechslung ohne die altbekannte Spritzigkeit oder das geniale Momentum, aber auch ohne gravierende Fehler. Leitete mit einem klugen Pass den späten Ausgleich ein.
Note: 3,5

Davie Selke

82. Minute, für Yussuf Poulsen
Stieg, behangen mit olympischen Silber, erst spät ins Training ein und hatte offenbar nur Luft für die Schlussphase, in der er sich aber nicht mehr entscheidend einbringen konnte.
Note: –

Massimo Bruno

86. Minute, für Timo Werner
Der Belgier durfte auch ein paar Minütchen Bundesligaluft schnuppern, obwohl er scheinbar auf’s Abstellgleis geraten ist und vor einer Leihe nach Anderlecht steht. Konnte immerhin noch einen Torschuss abgeben, sonst aber ohne wesentliche Ballaktionen.
Note: –

Hinterlasse einen Kommentar