Bundesliga Saisonprognose 2016/17

von 8. September 2016Bundesliga
Stecktabelle

Der erste Bundesliga-Spieltag ist absolviert, der DFB-Pokal hat bereits einige Überraschungen hervor gebracht – allerhöchste Zeit also, eine Prognose für diese Spielzeit abzugeben. Wer wird Deutscher Meister? Welche Klubs erleben einen Aufschwung? Und welche stürzen ab, womöglich bis in die Abgründe der Zweitklassigkeit? Zugegeben: Nicht leicht fiel es mir dieses Jahr, meine gute, alte Stecktabelle zu befüllen. Denn die Leistungsdichte in der Bundesliga ist auch in diesem Jahr enorm. Ganz besonders unterhalb der Ränge, die auf Europas große Bühne führen, entscheiden nur Nuancen über Jubelstimmung oder allgemeine Ernüchterung. Das macht diese Mittelfeldplätze so ungemein tückisch. Gerade wähnt man sich noch auf einem Sonnenplatz und träumt bereits von lukrativen Fernfahrten nach Qäbälä oder Dnipropetrovsk. Und zwei schläfrige Auftritte später wacht man strampelnd und fluchend mitten im Abstiegssumpf wieder auf. Während die Bundesligaspitze auf Jahre gefestigt scheint, dürfte auf den billigen Plätzen auch diesmal die altbekannte Anarchie herrschen – Tragödien und mittelschwere Wunder inbegriffen. Werfen wir also mal einen ausführlichen Blick auf das fachmännisch zusammengesteckte Tableau, angefangen mit einem alten Bekannten.

Der Meister

Heißt auch im nächsten Jahr FC Bayern München. Müssen wir hierüber noch irgendwelche Worte verlieren? …Ja, ich finde schon. Denn ein Selbstläufer wird die erneute Titelverteidigung nicht. Gewiss verfügen die Bayern auch in dieser Spielzeit über einen exquisiten wie breiten Kader, gespickt mit Weltklassespielern und außergewöhnlichem Talent. Die Verpflichtungen von Hummels und Renato Sanches haben in dieser Hinsicht gewiss nicht geschadet. Doch glaube ich, dass der Zenit des Teams allmählich erreicht ist. Noch mehr Dominanz ist zumindest nur schwerlich vorstellbar. Zudem bleibt abzuwarten, ob Ancelotti die Geschicke von Pep Guardiola nahtlos weiterzuführen vermag und wie stark die Verletzungsanfälligkeit des Kaders ins Gewicht fällt. Die Konkurrenz schläft jedenfalls nicht. Gerade der BVB hat sich – trotz des schmerzlichen Aderlasses – hervorragend aufgestellt und brennt regelrecht darauf, die Phalanx der Bayern zu attackieren. Vielleicht bewegen sich die Borussen, besonders aufgrund ihrer Jugendlichkeit, noch nicht ganz auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister. Doch wenn das Momentum ihnen gewogen ist, können sie den Bayern so manche schlaflose Nacht bereiten. Ich erwarte einen engen Zweikampf, den letztlich nur der Mia-san-mia-Faktor zugunsten der Bayern entscheiden wird.

Die internationalen Plätze

Hinter den ewigen Rivalen vermute ich das übliche Bild: Mit Gladbach, Schalke 04 sowie den beiden Werksklubs aus Wolfsburg und Leverkusen rangeln vier nahezu gleichwertige Teams um die Champions League-Millionen. Wolfsburg womöglich mit Abstrichen, da man sich nach dem vergangenen Seuchenjahr erst mal wieder konsolideren muss. Der Kader gibt nach den letzten Transfers aber durchaus wieder einen internationalen Platz her. Auf dem dritten Platz sehe ich diesmal die Fohlen aus Gladbach, die das Leistungsniveau ihrer Mannschaft noch weiter verdichtet haben und an einem guten Tag jedes Team dieser Welt in die Bredouille bringen können. So auch die Bayern oder den BVB, die sich allmählich warm anziehen sollten. Denn die Arbeit, die Max Eberl im Borussia-Park verrichtet, ist aller Ehren wert und kann das Duell um den Titel auf kurz oder lang in einen Dreikampf verwandeln. Bayer Leverkusen sehe ich auf einem ganz ähnlichen Niveau, wenngleich nicht ganz so variabel oder spielstark wie die Borussia. Nicht wenige trauen den Mannen von Roger Schmidt ja sogar den Sensationscoup Meisterschaft zu. Ich gehöre nicht dazu, sondern wittere eher ein hartes Scharmützel mit den Schalkern um den verbliebenen CL-Quali-Platz. Letztere sind für mich der Jack-in-the-box unter den Top-Teams. Auf dem Transfermarkt haben die Knappen mehr als ordentlich zugeschlagen und können es in Bestbesetzung auch mit den ganz großen aufnehmen. Sollte es dem neuen Führungsduo Heidel/Weinzierl gelingen, die Mannschaft zu stabilisieren und ihr eine frische Spielidee einzuimpfen, dann ist vielleicht sogar mehr drin als Platz fünf.

Positive Überraschungen…

Gab es ja im letzten Jahr so einige, darunter Mainz, Hertha BSC sowie die beiden Aufsteiger aus Ingolstadt und Darmstadt. Und auch in diesem Jahr traue ich den Aufsteigern so einiges zu. Der SC Freiburg mag zwar nicht über einen Riesenetat oder große Namen verfügen, dafür aber über ein eingespieltes Kollektiv aus jungen, erfolgshungrigen Spielern und einen Trainer, der mit allen Wassern gewaschen ist. Angeführt von Spielmacher Vincenzo Grifo und Goalgetter Nils Petersen traue ich dem SCF eine verblüffend schwungvolle Hinrunde zu. Erst gegen Ende der Saison dürfte sich die Liga auf den Underdog eingestellt haben und den Breisgauern langsam die Puste ausgehen. Daneben ist mein Geheimtipp für diese Saison die TSG aus Hoffenheim. Warum? Weil ich Julian Nagelsmann für einen überragenden Coach moderner Prägung halte, der aus dem zweifellos talentierten Kader das Maximum heraus kitzeln wird. Abgesehend davon hat sich die TSG clever verstärkt und meistenteils Spieler verpflichtet, die ihre Bundesligatauglichkeit schon nachweisen konnten. Mit dieser gesunden Personalmischung sehe ich Hoffenheim für ein echtes Husarenstück gewappnet und gestehe dem Hopp-Klub ein Mitspracherecht um die internationalen Plätze zu.

…und enttäuschte Gesichter

Wird es natürlich auch wieder geben. Die einen haben sich schon daran gewöhnt und die hängenden Mundwinkel bereits Falten geschlagen, so etwa bei jenen Unerschütterlichen, die es mit dem HSV halten oder der Frankfurter Eintracht. Auch heuer erwarte ich bei beiden Klubs keinen glorreichen Aufschwung, wenngleich ich ihnen zumindest etwas mehr Stabilität zutraue. Was Eintracht Frankfurt betrifft, bin ich mir sogar ausgesprochen unsicher, wohin es die Hessen am Ende verschlagen wird. Die vielen Neuen – zumeist unbeschriebene Blätter – wirbeln die Zusammensetzung der Startelf mächtig durcheinander und machen es schwer, eine klare Tendenz festzustellen. In Summe dürfte die Kaderqualität aber eigentlich nur für das untere Tabellendrittel genügen. Prädikat: Wundertüte. Darüber hinaus könnte es zwei Teams in diese unwirtlichen Gefilde verschlagen, die noch nicht damit rechnen: Mainz 05 und Hertha BSC. Beide haben letztes Jahr ein bisschen über ihre Verhältnisse gekickt und mit erfrischendem Fußball aufgetrumpft. Eine Wiederholung dieser Achtungserfolge erscheint mir aber unwahrscheinlich. Mainz wird – zumindest bis zum Winter – mit der Doppelbelastung in der Europa League zu kämpfen haben. Die Alte Dame hingegen damit, ihren Flow aus der Vorsaison wiederzufinden, der schon auf den letzten Metern der Rückrunde deutlich abzuebben schien. Von der Kaderbreite her kann es für die Hauptstädter bestenfalls ein Platz im gesichteren Mittelfeld werden – wenn alles glatt läuft, wohlgemerkt.

Die Absteiger

Widmen wir uns den Niederungen des Tableaus und somit den bedrohten Bundesliga-Arten. Ein Quartett von Teams sollte sich in diesem Jahr ernsthafte Sorgen um den Ligaverbleib machen: der FC Augsburg, die Schanzer aus Ingolstadt, Werder Bremen und Everybodys Absteiger Nummer eins, Darmstadt 98. Letztere Ansicht muss ich – trotz aller Sympathie für die wackeren Mannen vom Böllenfalltor – leider unterstreichen. Darmstadt hat es nicht geschafft, ein so bissiges und integres Team wie im Vorjahr aufzustellen und steht deshalb vor einer (nahezu unlösbaren) Mammutaufgabe. Für mich eindeutig Platz 18, aber die Hoffnung, dass die Darmstädter trotzdem jedes einzelne Spiel zelebrieren wie zuletzt. Auch für den FC Ingolstadt wird das verflixte zweite Jahr mutmaßlich ein schwieriges. Die gute Nachricht ist: Die Schanzer haben ihren Erfolgskader weitgehend beisammen halten können. Die schlechte Nachricht: Die Schanzer haben ihren Erfolgskader bloß beisammen halten können. Gewichtige Verstärkungen? Fehlanzeige. Das ist außerordentlich riskant, weil den Ingolstädtern in ihrer zweiten Bundesliga-Saison das so wichtige Überraschungsmoment abgeht. Ob das Kaderniveau allein genügt, um diesen Verlust abzufangen, erscheint mir fraglich. Mindesten ebenso fraglich, wie die Bundesligatauglichkeit der Bremer Mannschaft – und der Verantwortlichen an der Weser. Ist man diesen Sommer dem Abstieg noch eben so von der Schippe gesprungen, könnte es 2017 noch enger werden. Zwar hat man sich nominell ordentlich verstärkt, insbesondere mit dem Offensivtrio Kruse, Kainz und Gnabry, doch der Hühnerhaufen in der Abwehr hat sich vom Gefühl her noch verschlimmert. Hinzu kommt das ständige Verletzungspech der Bremer, das mindestens den Saisonstart, wenn nicht gar die gesamte Hinrunde torpedieren dürfte. Und dass Trainer Viktor Skripnik schon jetzt massiv in der Kritik steht, hilft gewiss auch nicht dabei, den SVW in ruhigere Fahrwasser zu lenken. Sind alle Leistungsträger an Bord, kann Werder sicherlich in der Liga mitkicken, doch ich fürchte, die Kaderzusammensetzung ist mit seinen Nervenbündeln und Diven nicht für den permanenten Abstiegskampf geschaffen. Mein Tipp: Es geht für die Grün-Weißen direkt runter in Liga zwo.

…und RB Leipzig?

Sollte in der Lage sein, das von Ralf Rangnick gesteckte Saisonziel zu erreichen und einen großen Bogen um die akute Gefahrenzone zu schlagen. Dafür ist die individuelle Klasse im Kader der Leipziger einfach zu immens. Viel interessanter scheint mir die Frage, ob es Ralph Hasenhüttl gelingt, die hervorragenden Individualisten und Talente zu einer schlagkräftigen Einheit zu formen und das Team auch spieltaktisch weiterzuentwickeln. In dieser Hinsicht sehe ich nämlich noch viel Luft nach oben. Weil ich aber Chefkritiker Ralf Rangnick und seinem neuen Coach genau diesen Schritt zutraue, erwarte ich eine sehr entspannte Debütsaison für die Roten Bullen. Sollte die Hinrunde noch die ein oder andere Baustelle aufwerfen, verfügt man natürlich auch über die nötigen Mittel, in der Winterpause noch einmal passgenau nachzujustieren – ein erheblicher Vorteil gegenüber den anderen Underdogs der Liga. Folgerichtig erscheint mir ein gesicherter Mittelfeldplatz ausgesprochen realistisch, wenn nicht sogar ein Understatement. Falls einige Neuzugänge gleich einschlagen und ihr enormes Potenzial andeuten, liegen auch die Plätze sieben bis neun definitiv in Reichweite.

Wir dürfen also gespannt sein auf die neue Spielzeit und im Zweifel kommt es sowieso wieder ganz anders, als alle denken. Zusammengefasst findet ihr meine Prognose noch einmal oben in besagter Stecktabelle. Und ich bin natürlich auch auf eure Meinungen gespannt. An welchen Stellen seid ihr mit mir d’accord? Wen schätze ich eurer Meinung nach völlig falsch ein? Und natürlich die alles entscheidende Frage: Wer holt 2017 die Meisterschale nach hause? Ich freue mich auf eure Tipps in den Kommentaren oder bei Twitter und Facebook.

Autor Nico

Zehner per Geburtsrecht und Passmaschine mit der Endgeschwindigkeit eines Faultiers. Muss schreiben, um seine pathologischen Knie vergessen zu machen. Gilt als wandelnder Anachronismus und Connoisseur gepflegter Zeilen/Bälle.

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  • Tino sagt:

    Mein Tipp:
    1. FCB
    2. BMG
    3. BAY
    4. BVB
    5. S04
    6. RBL
    7. HSV
    8. HOF
    9. KÖL
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    18. D98

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